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Klärschlammverwertung: Dänemarks Kläranlagen gewinnen mittels Klärschlammverbrennung Energie aus Klärschlamm

State of Green
02.02.2017

Wasserwerke und Kläranlagen gehören normalerweise zu den Großkunden der Energiebranche. In der Regel schlagen Wasser- und Abwasserbehandlung in der Haushaltkasse der Kommunen mit 24 bis 40 Prozent der gesamten Stromrechnung zu Buche. Im dänischen Aarhus ist das anders.

Dort erzeugt die Kläranlage Marselisborg nicht nur ausreichend Energie aus Klärschlamm für den eigenen Betrieb, sondern ist selbst zum Kraftwerk geworden. Weitere Anlagen in der Stadt sind im Umbau oder gehen in Kürze in Betrieb.

Durch optimierte Prozesse und ein integriertes Biogassystem in der Anlage wird in der Kläranlage Marselisborg 40 Prozent mehr Strom produziert, als die Anlage selbst verbraucht. Dazu kommen weitere 2,5 GW Wärme, die in das Fernwärmenetz der 330.000 Einwohnerstadt geleitet werden – genug, um 250 Einfamilienhäuser zu beheizen. Ermöglicht wurde dies u.a. durch eine Reduzierung des Energieverbrauches sowie die Klärschlammverwertung für die Produktion von Strom und Wärme in einer dem Prozess angegliederten Biogasanlage.

Unter anderem laufen in der Anlage ganzjährig und rund um die Uhr 140 Frequenzumrichter des dänischen Herstellers Danfoss, die helfen, Strom zu sparen. „Frequenzumrichter allein sind in diesem Bereich nichts Neues. Neu ist der konsequente Einbau, und dessen Effekt wird gleichzeitig dadurch gesteigert, dass auch bei den anderen Maschinen eine optimale Funktion gewährleistet wird“, erklärt Mads Warming, Global Segment Director bei Danfoss Drives.

Die Biomasse für die Biogasanlage wird aus dem Abwasser extrahiert und anschließend in Biogas umgewandelt – ohne Hinzufügung anderer organischer Abfälle. Auf diese Weise wird mittels Klärschlammverbrennung Wärme und Strom produziert, die der Betreiber der Anlage, Aarhus Vand, Vand ist dänisch für Wasser, in die städtischen Netze einspeist und somit Einnahmen generiert. Aarhus Vand rechnet damit, dass sich die Modernisierungskosten von rund 3 Mio. Euro für die Anlage im Laufe von 5 Jahren amortisiert haben werden.

150 Prozent des eigenen Energiebedarfes

Eine weitere Anlage in Aarhus, die künftig nicht nur energieautark sein wird, sondern auch Überschuss produzieren wird, ist die Kläranlage Egå. Sie ist seit Ende 2016 im Probebetrieb und es wird damit gerechnet, dass die Kläranlage 150 Prozent des eigenen Energiebedarfes erzeugen wird.

Dänemark hat eine lange Tradition im Wasser- und Abwasser-Management. Ein erster nationaler Abwasserplan wurde 1976 aufgestellt. Heute sorgen 1400 Kläranlagen im Land dafür, dass das Wasser wieder sauber in die Natur entlassen werden kann. Die Beratungsgesellschaft Niras geht in einem im September 2016 herausgegebenen Bericht davon aus, dass der Wassersektor in Dänemark allein mit bereits vorhandenen Technologien in der Lage sein könnte, innerhalb weniger Jahre energieneutral zu werden. Dabei produzieren die Kläranlagen soviel Energie, wie im Trinkwasser- und Abwasserbereich zusammen verbraucht werden.

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