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6 Fragen und Antworten zum grünen Dänemark

17.01.2017

Sie haben gefragt, wir wollen antworten:

1. Erreicht Dänemark sein 2020 Ziel?

Energieeffizienz ist eine zentrale Säule der Dänischen Energie- und Umweltpolitik seit Jahrzenten. Dies hat dazu geführt, dass Dänemark heute eines der energieeffizientesten Länder in der EU und der OECD ist.

Dänemark hat indikative 2020 Ziele für den Bruttoenergieverbrauch (Primärenergie) und Endenergieverbrauch. Auf der Basis der implementierten Instrumente und Maßnahmen wurde eine Projektion der zu erwartenden Energiereduktion für das Jahr 2020 durch die Dänische Energieagentur durchgeführt. Gegenüber 2006 würde dies einen Rückgang des Bruttoenergieverbrauchs von etwa 14,5 Prozent entsprechen.  Das entsprechende indikative 2020 Ziel für den Endenergieverbrauch entspricht einer Reduktion von 7,2 Prozent.

     ‒ Quelle: Denmark’s National Energy Efficiency Action Plan (NEEAP)

 

2. Wie hoch ist die Renovierungsrate in Dänemark?

In Dänemark wird die Renovierungsrate nicht berechnet. Die Sanierung von Gebäuden wird als ein kontinuierlicher Prozess gesehen. Aufgrund einer aktuellen Studie ist bekannt, dass in Dänemark normalerweise 10 bis 12 Millionen Euro pro Jahr (80-90 mio. DKK) in die Sanierung investiert. 43 % dieser Investitionen sind energiebezogen, wie beispielsweise Fenster, verbesserte Dämmung etc.

     ‒ Weitere Informationen zur Gestaltung energieeffizienter Gebäude finden Sie hier, bereitgestellt von der dänischen Energieagentur.

 

3. Welche Rolle nehmen öffentliche Gebäude wie Regierungsgebäude ein? Haben sie ebenfalls eine Art Vorreiterfunktion wie in Deutschland?

Seit 1992 sind alle Ministerien verpflichtet, ihren Energieverbrauch zu senken. Im Zeitraum von 2006-2020 streben Ministerien und die ihnen zugehörigen Institutionen an ihren Energieverbrauch um 14% zu senken. Jedes Ministerium muss sicherstellen, dass das Ziel erreicht wird. Sie haben die freie Entscheidung Maßnahmen zu wählen, je nach Größe, Funktionsbereich und Energiebedarf der Institution. Das Reduktionsziel ist eine Umsetzung des EU-Artikel 5 der Energieeffizienzrichtlinie, in dem eine Steigerung der Gesamteffizienz von Gebäuden festgelegt ist, die Eigentum der Regierung sind und von dieser genutzt werden.

Auf ihrer Website werden Ministerien ihre Energiesparinitiativen sowie Energielabels und Energiekennzeichnungsberichte veröffentlichen.

     ‒ Weitere Informationen finden Sie unter Dänische Energieagentur und sparenergi.dk.

 

4. In Deutschland stehen das Gas- und das Fernwärmenetz in einer Gewissen Konkurrenz. Wie ist die Situation in Dänemark?

Seit 1979 hat Dänemark ein Wärmeversorgungsgesetz. Dieses gibt unter anderem ein Vorgehen für eine landesweite Wärmeplanung vor. Das Grundprinzip dabei ist, die Wärmeplanung auf kommunaler Ebene zu verankern, da hier das nötige Wissen über die Bedürfnisse und Gegebenheiten vor Ort vorliegt: Zunächst waren die Kommunen aufgefordert, den Wärmebedarf kartographisch zu erfassen, sowie die Einheiten für die Wärmeversorgung und den Brennstoffverbrauch zu ermitteln. Zusätzlich sollten die Kommunen den zukünftigen Wärmebedarf abschätzen und weitere Möglichkeiten zur Wärmeversorgung auflisten. Diese Informationen wurden von den regionalen Behörden genutzt, um einen Überblick über die Wärmeversorgung zu erstellen.

Im zweiten Schritt widmete man sich der zukünftigen Wärmeversorgung.  Die Kommunen erarbeiteten Möglichkeiten für die zukünftige Wärmeversorgung, während die Regionen die Informationen sammelten und in regionalen Plänen zusammenfassten.

Darauf basierend erstellten die Regionen regionale Wärmepläne, welche die priorisierte Wärmeversorgung über das gesamte Gebiet sowie Standorte für zukünftige Wärmeversorgungseinheiten und Wärmenetze festlegten.

 

5. Warum hat Dänemark auf die Entwicklung von Wärmenetzen fokussiert gegenüber Einzelheizungen?

Bereits 1903 wurde die erste KWK-Anlage in Dänemark gebaut. Die Müllverbrennungsanlage lieferte Strom und Wärme für ein nahegelegenes Krankenhaus in Kopenhagen. Um die Wärme von den großen KWK-Anlagen an die Verbraucher zu liefern, wurden in den 1920er und 1930er Jahren Netze zur kollektiven Wärmeversorgung ausgebaut. Als Wärmequelle diente die Abwärme von der Stromproduktion vor Ort. Seitdem verbreitete sich Fernwärme in den größeren Städten, so dass bereits 1970 etwa 30% der Haushalte mit Fernwärme versorgt wurden.

Vor dem Hintergrund der Ölkrise 1973/74 kam es zu einem weiteren Bedeutungsgewinn der Wärmenetze mit dem Beschluss energieeffiziente KWK nach Möglichkeit nicht nur in den großen, sondern auch in mittleren und kleinen Städten zu nutzen. Im Jahr 1979 wurde Dänemarks erstes Gesetz zur Wärmeversorgung erlassen. Dieses Gesetz beinhaltete unter anderem, dass Kommunen Wärmeversorgungszonen festlegen. Diese bestimmen, welche Gebiete mit Fernwärme, Gas oder Einzelheizungen versorgt werden. Die Abgrenzung der Gebiete erfolgt auf Basis der sozioökonomischen Kosten der jeweiligen Versorgungsart. Um Kommunen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, wurde unter anderem ein Technologiekatalog mit Anlagenkennzahlen entwickelt, eine Methodik zur Bestimmung des Wärmebedarfs innerhalb eines Jahres, sowie Prognosen über die Entwicklung der Energiepreise bereitgestellt. Damit legt Dänemark keinen speziellen Fokus auf den Ausbau der Fernwärme, sondern gibt eine Methodik zur Ermittlung der kostengünstigsten Alternative vor.

 

6. Wie wichtig ist Windenergie für die Wärmeversorgung und soll dieser Anteil vergrößert werden?

Windenergie hat eine große Bedeutung im dänischen Energiesystem, im Strom- wie im Wärmemarkt. Bereits heute wird Strom aus Windenergie für die Wärmeversorgung eingesetzt mit der Nutzung von Wärmepumpen und Elektrokesseln. So können die Wärmenetze als großer Energiespeicher eingesetzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Entwicklung in der Zukunft weiter verstärken wird. In 2016 deckte Windenergie 37.6 Prozent des gesamten Stromverbrauchs Dänemarks.

 

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